»Der Riss, der nie verheilt«: Die FAZ über Robert Musils »Törleß«

In der heutigen Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bespricht Martin Maurach das Hörspiel „Die Verwirrungen des Zöglings Törleß“, das im April bei Der Audio Verlag erschien.

„Treffsicherer kann man auch handlungsarme Szenen kaum auswählen, umsichtiger kaum kürzen, als es in diesem Hörspiel in der Bearbeitung von Manfred Hess gelungen ist.“

In Robert Musils „Die Verwirrungen des Zöglings Törleß“ entdecken die Kadetten Törleß, Reiting und Beineberg in einem Militär-Internat, dass ihr Mitschüler Basini gestohlen hat. Statt ihn zu verraten, benutzen sie ihn als Prügelknaben und Versuchsobjekt.

Törleß ist zunächst nur Zeuge, beobachtet fassungslos, wie Basini sich demütigen lässt, wie sadistisch die anderen ihn missbrauchen. Als er schließlich einschreiten will, ist es zu spät – durch tatenloses Zusehen ist er längst Komplize geworden.

„So kann Musil klingen in einer Zeit, die den täglich erlebten Verlust aller Sicherheiten allzu gerne wieder verdrängt.“

Musils Erstlingswerk von 1906 ist das feinfühlige Porträt eines jungen Menschen auf der Suche nach sich selbst und den moralischen Grundsätzen seines Tuns.