Biografie

Ewald Gerhard Seeliger geboren in Rathau bei Brieg (Schlesien), zählte zu den berühmtesten und erfolgreichsten Autoren des frühen 20. Jahrhunderts. Seeliger war zunächst Lehrer, u. a. in Genua und Hamburg, und widmete sich ab 1907 hauptsächlichdem Schreiben. 1913 erschien der Erfolgsroman „Peter Voss“, und Seeliger plante mit seinem Freund Richard Dehmel das „Handbuch des Schwindels“. 1915 wurde  Seeliger Marine-Soldat und lernte Joachim Ringelnatz kennen. Nach dem Ersten Weltkrieg entwickelte er sich immer mehr zu einem literarischen Querdenker, der sich durch provozierend anarchistische „Hominidissimus-Experimente“ mit Staat und Kirche anlegte. Sein Haus Avalun in Walchensee war Treffpunkt der Avantgarde seiner Zeit, Franz Oppenheimer, Lion Feuchtwanger und viele andere waren hier zu Gast. 1922 brachte ihn das „Handbuch des Schwindels“ für sechs Wochen in die Psychatrie, und trotz „Jagdschein“ kam er bereits 1933 in Nazi-Schutzhaft. Um weiterer Verfolgung zu entgehen, flüchtete er in die Schweiz, kehrte jedoch bereits 1935 nach Hamburg zurück. Mit dem ihm eigenen Humor kämpfte er weiter gegen den Nationalsozialismus und wurde – wie auch wegen seiner Ehe mit der Tochter eines jüdischen Fondsmaklers – aus der Reichsschriftumskammer ausgeschlossen und geriet schließlich in Vergessenheit. Nach dem Krieg scheiterte der Versuch, seine barocken Schelmenromane „Junker Schlörks tolle Liebesfahrt“ und „Vielgeliebte Falsette“ neu aufzulegen an der Prüderie der Adenauerära. Sie wurden indiziert. Seeliger starb am 8. Juni 1959 in Cham im Bayerischen Wald.